Preis: 9,99€ [D, Taschenbuch&Ebook]
Seitenanzahl:
352 Seiten [Taschenbuch]
Meine Wertung:
2/5
Verlag:
Knaur
erschienen am:
26.02.2018
ISBN: 978-3-426-44424-5

Diese Rezension enthält Spoiler.

 

 

Kurzbeschreibung

Shivari ist ein Straßenkind aus Vesontonio, außerdem eine Diebin. Sie will sich einer Diebesgilde anschließen und übernimmt dafür einen gefährlichen Auftrag. Dabei kommt es zu einer Konfrontation mit einem unheimlichen Schattenwesen, die Shivari nur überlebt weil ein Unbekannter ihr hilft. Später trifft sie den Gott des Wassers, der ihr mitteilt, dass sein „göttlicher Funke“ auf sie übergesprungen ist.

In einer anderen Stadt verschwindet der junge Adlige Fuchs über Nacht weil er die Regeln seines Vaters nicht mehr befolgen will. Seine Windmagie verschlägt ihn nach Vesontonio wo er schnell zum Meisterdieb aufsteigt.

 

 

Cover

© by Knaur TB

Das Cover ist in verschwommenen Erdtönen gestaltet, man erkennt einen Turm im Hintergrund und Pflanzen im Vordergrund. Rechts sitzt eine junge Frau. Ich finde das Cover schön, sehe jedoch lange keinen Bezug zum Inhalt.

 

 

Schreibstil

Der Großteil der Handlung spielt in der Stadt Vesontonio, in der der Leser an viele verschiedene Schauplätze geführt wird. Die gesamte Stadt wie auch die einzelnen Schauplätze sind nur knapp skizziert. Ebenso verhält es sich mit der anderen erwähnten Stadt, aus der Adelssohn Fuchs stammt, und der gesamten Welt, die bis auf ein paar Ortsnamen überhaupt nicht ausgestaltet ist.

Die geschilderte Welt verfügt über Magie, deren Funktionsweise bzw Regeln nur wenig erklärt werden.

Die Figuren, insbesondere die Hauptfigur Shivari verfügen nur über wenige Details und einzigartige Charaktereigenschaften, die Vorgeschichte wird jeweils mit einem Satz abgehandelt. Shivari wird um Seite 100 herum zum ersten mal äußerlich beschrieben und etwa bei Seite 130 erfährt man ihren Namen. Dass die Hauptfigur weiblich ist, wird noch später erwähnt; Trotzdem wird sie konsequent auch weiterhin mit männlichen Pronomen betitelt.

Beziehungen zwischen den Figuren sind wechselhaft und werden kaum bildlich dargestellt. Beispielsweise wird der Leser darüber informiert, dass zwei Personen nun Freunde sind, aber in den Handlungen der Figuren erkennbar ist diese Freundschaft nicht.

Die Erzählperspektive wechselt zwischen Ich-Erzähler (Shivari) und der dritten Person (alle anderen). Die Perspektive wechselt anfangs kapitelweise, später dann auch abschnittsweise.

Glossar oder eine Karte sind nicht vorhanden.

 

 

Meinung

Nacht der Diebe hat mir leider überhaupt nicht gefallen. Warum „leider“? Weil durchaus erkennbar ist, dass die Autorin sich eine interessante Geschichte ausgedacht hat. Die Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wird wirkt auf mich jedoch lieblos.

Die häufigen Perspektivenwechsel verwirren, insbesondere wenn nicht ganz klar ist, um wen es in einer Szene überhaupt geht bzw auf wessen Seite man als Leser denn nun stehen soll.

Die Figuren sind langweilig, verfügen über keinerlei Tiefe und nur eine minimale Vorgeschichte. Sie haben keine erkennbaren Ideale und Ziele, einzig Fuchs erzählt immer wieder etwas von der Freiheit, die er sich wünscht, was genau er sich unter Freiheit vorstellt ist mir nicht klar. Handlungen sind für mich oft nicht nachvollziehbar und die Figuren, insbesondere Shivari, wirken inkonsistent. Seit im zweiten Drittel bespielsweise erwähnt wird, dass Shivari ein Mädchen ist, verhält sie sich auch klischeehaft, weint, errötet und ist schüchtern, obwohl sie doch vorher als „vorlauter Bengel“ erschien. Ich kann kein echtes Interesse an den Figuren entwickeln oder mich gar mit ihnen identifizieren.

Gelegentlich tauchen auch Figuren auf an die ich mich mangels Anschaulichkeit nicht erinnere, oder eine Figur zieht eine für mich unverständliche Schlussfolgerung, die nicht erklärt wird. Als Leser muss man das dann so hinnehmen und hoffen, dass es irgendwann aufgeklärt wird, was leider nur selten der Fall ist. Wie bereits erwähnt sind die Beziehungen wechselhaft, oft ist mir nicht klar, wer auf wessen Seite steht und vor allem warum das so ist.

Die Welt und ihre Bewohner werden nicht anschaulich erklärt, höchstens mit Namen bezeichnet. Zum Beispiel gibt es allerlei Wesen mit dem Namen „Drachen“. Es scheint sich dabei um Tiere zu handeln, aber Details sind nicht bekannt. Man erfährt nicht wie sie aussehen, ob sie magisch sind oder sonst irgendwie besonders, wie sie sich unterscheiden etc. Ich kann mir die gesamte Welt und – abgesehen von Fuchs- auch keine Person so wirklich vorstellen.

Statt Kopfkino laufen Fragezeichen durch meinen Kopf, das Lesen strengt mich an und langweilt mich zugleich.

Dadurch plätschern gut zwei Drittel des Romans so dahin, ohne dass ein Handlungsstrang, ein Ziel oder irgendeine Bedrohung erkennbar werden. (Dabei ist es nicht so, dass nichts bedrohliches geschieht, nur ist kein Bezug zu den Figuren erkennbar, so dass es mich als Leser – falls ich denn überhaupt mit den Figuren „mitfiebern“ kann – kaum interessiert.) Dann ungefähr im letzten Drittel wird es interessanter, es entwickelt sich eine „Aufgabe“ für die Helden. Da jedoch ständig Perspektiven und Schauplätze gewechselt werden, die Motive der Protagonisten unklar sind und einige Szenen schlicht unfertig wirken, verliert sich auch hier die aufkeimende Spannung.

Viele Dinge werden einfach nicht erklärt… Warum wird Shivari zum Wassergott wenn sie bisher noch nie irgendetwas mit Wasser zu tun hatte? Wovon hängt es ab, wer auf welche Art der Magie Zugriff hat? Warum gibt es so viele Götterwesen auf einem Fleck und warum haftet sich ihr „göttlicher Funke“ an empfindliche sterbliche Hüllen? Und warum wird Shivari eigentlich als Junge dargestellt obwohl sie ein Mädchen ist? …

Die bereits erwähnten, für mich nicht nachvollziehbaren, Entscheidungen und Schlussfolgerung der Figuren kommen noch hinzu. Natürlich kann man als Leser auch mal auf dem Schlauch stehen, aber bei diesem Roman passiert das einfach zu häufig um das Problem einzig in meinem Verständnis zu sehen.

Ich hatte einige Male das Bedürfnis das Buch einfach wegzulegen, hätte ich nicht ein Rezensionsexemplar davon, wäre ich sicher nicht über Seite 50 hinausgekommen. So habe ich mir nur ungefähr die letzten 50 Seiten gespart und gebe dafür einen Stern mehr… für den Fall, dass der Schluss doch brillant ist. Ich muss leider sagen, dass Nacht der Diebe meinem Empfinden nach der schlechteste und langweiligste Roman ist, den ich dieses Jahr gelesen habe. Sehr schade, da hier eine eigentlich schöne Idee schlecht umgesetzt wurde.

 

 

Fazit

Unstrukturiert und scheinbar nicht zu Ende gedacht. Nicht mein Fall.

 

 

2 von 5 Sternen

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