Dieses Jahr war ich das erste Mal auf der Berliner Buchmesse. Mir wurde berichtet, dass es gemütlicher, als die großen Messen in Leipzig und Frankfurt sei. »Gemütlich« trifft den Nagel auf den Kopf – während in Frankfurt die großen Verlage um Lizenzen buhlen und in Leipzig groß und klein direkt an die Leser herantreten, stehen in Berlin Kleinverlage, Selfpublisher und Nischen-Genre im Fokus – nicht zuletzt wegen der wesentlich günstigeren Standgebühren und die fairen Bedingungen an die Aussteller.

Dafür erhält jeder Standbetreiber große Tische und Stühle, keinerlei Trennwände oder Standaufbauten, wie auf den großen Messen. Dadurch bekommt die Messe den Charakter eines Flohmarktes, was ihren Charme meiner Meinung nach nur noch vergrößert.

Man kommt in zwei Stunden keine drei Stände weit, weil man überall plaudert, Bücher und Autoren kennenlernt. Ewig lange Signier-Warteschlangen existieren hier nicht. Versteht mich nicht falsch: Die Messe war sehr gut besucht, nur eben nicht so völlig Überladen mit Standprogrammen und gigantischen Mega-Ständen.

Hier ein paar Anekdoten, die mir im Gedächtnis hängen geblieben sind – ich muss zugeben, dass ich nach den zwei Tagen einen rauchenden Kopf hatte von den vielen Eindrücken. Theoretisch könnte man die Messe in einem Nachmittag durchschauen – aber man bleibt einfach überall bei den freundlichen Menschen hängen, sodass ich vielleicht die Hälfte geschafft habe … okay, vielleicht ein Drittel.

Wie erwähnt, gab es neben den üblichen, geliebten Verdächtigen wie dem Drachenmond-Verlag und dem Sternensand-Verlag, viele Kleinverlage, welche ich auf noch keiner der großen Messe gesehen habe. Da alle keine riesigen Standbauten zur Verfügung hatten, sind diese auch nicht optisch untergegangen. Riesige Verlage wie Carlsen, habe ich nicht entdecken können.

Da wäre zum Beispiel der ArtSkript-Verlag, welcher mit interessanten Anthologien aufwarten konnte. Darunter fand ich die des »Fantasy-Noir« spannend. Das Sortiment hatte sich Nischengenre gewidmet, wie z.B: auch Steampunk.

Ganz dem Fantasy hat sich der Feder-und-Schwert-Verlag gewidmet. Das Sortiment war hier schon recht groß, sodass Leser dieses Genres eine große Auswahl an neuem Lesestoff zur Verfügung hatten.

 Das Nornennetz war vom Genre ähnlich aufgestellt – hier handelt es sich jedoch nicht direkt um einen Verlag, sondern ein Netzwerk von Phantastik-schreibenden Frauen. Ein spannendes Konzept, was vor allem Selfpublishern zugute kommt.

Überrascht hat mich Redrum-Books.
Dieser Verlag hat ausschließlich Bücher des Horrorgenre im Sortiment. Ich rede hier nicht von zartem Grusel, sondern hartem Splatter, Psychoterror und auch Humor-Erotik-Horror. Man blickt in die Köpfe von Mördern und Opfern. Auf großen Messen vermutlich verpönt, hier jedoch auch vertreten und die beiden Verleger vor Ort waren super sympathisch. Mehrere ihrer Bücher haben tatsächlich Preise wie »bestes Horrorbuch 2018« abgestaubt. Interessanter Clou der Sache: es handelt sich ausschließlich um deutsche Autoren.
Natürlich sollte man hartgesotten sein, wenn man dieses Genre anpackt.

Bei Dichtfest war ich fasziniert von der Ellgorh-Trilogie. Der Autor hat 20 Jahre lang seine Welt ersonnen, hat Pflanzen und eigene Naturgesetze erfunden. Dann begann er erst, eine Geschichte in dieser Welt zu erzählen. Auf Lesungen kann man sogar Gerichte aus der Saga probieren! Tolle Idee.

Das Wunderbare an der Berliner Messe ist, dass Selfpublisher hier nicht auf Verlage angewiesen sind. Sie haben viele eigene kleine Stände. Hängen geblieben sind u.a. Mary Cronos, weil ihr Roman Nafishur aus zwei Perspektiven geschrieben ist. Nicht neu, denkt ihr? Falsch! Es sind zwei seperate Bücher! Der selbe Zeitstrang, jedoch mit anderen Handlungen, Orten und Personen, welche sich nur sehr wenige Male treffen. Zwei unabhängige Geschichten, welche zur gleichen Zeit spielen. Dann wäre da noch Akira Arenth, den Liebhaber des GayRomance-Genres kennen dürften. Er war selbst nicht vor Ort, weil er mittlerweile in Amerika lebt, doch seine Lesefans haben einen Stand für ihn betrieben. Das nenne ich mal Hingabe! Tatsächlich war dieses Genre recht umfangreich vertreten – das bunte Berlin zieht eben an.

Und mich wird es definitiv wieder anziehen, denn diese Messe war so charmant, so unglaublich sympathisch und vielfältig, dass sie bei mir der FBM den Rang 2 der Buch-Messen abgelaufen hat. Rang 1 bekleidet derzeit die LBM – doch die BuchBerlin ist noch jung und wächst stetig. Wenn sie dies auf gesunde Weise tut und nicht völlig in den Mainstream der Großen abrutscht, könnte sie mein absoluter Favorit werden.

2 Comments

  1. Monja

    27. November 2018 at 17:13

    Interessanter Artikel, auch wenn ich mich jetzt (wieder mal) ärgere, dass ich nicht dort war. Immerhin hab ich neuen Stoff zum googeln gefunden und natürlich zum Bücher bestellen… Jippi! 🙂 Liebe Grüße

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    • Solara

      27. November 2018 at 18:01

      Ja, vielleicht klappt es nächstes Jahr. 🙂

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