Schattenkaiser

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Nov 16, 2016

Preis: 14,99€ [D, Taschenbuch] & 12,99€ [E-Book]
Seitenanzahl: 416
Meine Wertung: 4/5
Verlag: Piper
erschienen am:  04.10.2016
ISBN:  978-3-492-70371-0
Kurzbeschreibung
Das junge Mädchen Ariadne entkommt nur knapp und mit Hilfe des geheimnisvollen Fremden Dariush dem Überfall auf ihr Heimatdorf.
Währenddessen
wird Valeria, die Oberbefehlshaberin des imperialen Heeres, in die weit
entfernte Hauptstadt beordert –  obwohl ihre Fähigkeiten viel
dringender zur Verteidigung der Grenze benötigt werden.
Zeitgleich macht sich der Rabenschamane Brayn auf den Weg, um Valeria eine geheime Botschaft zu überbringen.
Irgendetwas
geht im riesigen Imperium der Menschen nicht mit rechten Dingen zu.
Doch ist der junge Kaiser in der Lage und willens den wahren Feind zu
erkennen?

Cover

 

Über
nahezu das gesamte Cover erstreckt sich eine gewaltige, blutrote
Standarte, die vom Abbild einer mysteriösen schwarzen Maske gekrönt
wird. Dazwischen lugen Speere hervor, weit im Hintergrund entdeckt man
kriegerische Gestalten. Das Cover verspricht ruhmreiche Schlachten und
lockt mit dem geheimnisvollen Abbild. Seine Gestaltung spiegelt gut die
Stimmung des Romans wieder.

Schreibstil

Mit
“Schattenkaiser” bin ich zum ersten mal in den Genuss eines Romans von
Chistoph Hardebuschs gekommen. Detailliert und bildhaft vermag er es,
Orte und Charaktere zu beschreiben, insbesondere haben mich häufig die
geschilderten Gespräche beeindruckt, bei denen das berühmt-berüchtigte
“Kopfkino” besonders angesprochen wird. Ich konnte die Szenen förmlich
vor mir sehen, mir die Stimmen der einzelnen Personen vorstellen, sowie
die geschilderte Umgebung als “Bühnenbild” wahrnehmen.
Die
einzelnen Kapitel lesen sich flüssig, die Atmosphäre ist greifbar. Die
Wortwahl ist bis auf einige notwendige “Fachbegriffe” einfach gehalten
und gut verständlich. Die Protagonisten sind sorgfältig ausgearbeitet
und ansprechend, einzig das Mädchen Ariadne erscheint mir etwas
“farblos”, so dass ich bis zum Ende kein klares Bild von ihr vor Augen
habe. Möglicherweise ist das beabsichtigt, um Ihre Rolle ein wenig im
Dunkel zu halten.
Schwierigkeiten
beim Lesen bereiteten mir die, für High Fantasy typischen, zahlreichen
verschiedenen Handlungsstränge, die alle mit der gleichen Sorgfalt und
Ausführlichkeit behandelt werden, sich aber fast gar nicht überschneiden
und erst sehr spät überhaupt in einen Zusammenhang gebracht werden.

Meinung

Wenn ein Schattenkaiser regiert, wer hält dann das Reich in Händen?
Insgesamt
erinnern der Aufbau des beschriebenen Imperiums der Menschen, sowie
viele verwendete Begriffe, an das Antike Römische Reich, was jedem, der
einmal die Nase in einen Asterix Comic gesteckt hat, das Gefühl geben
wird, etwas Vertrautes zu lesen. Auch der Romantitel “Schattenkaiser”
ist in diesem Zusammenhang geschickt gewählt, deutet er doch an, dass
das Imperium möglicherweise bereits den mächtigen Händen des Kaisers
entgleitet. Der Kreativität des Autors ist es zu verdanken, dass trotz
angenehmer Vertrautheit kein schlechter Abklatsch herausgekommen ist,
sondern aus alten Wurzeln etwas erfrischend Neues gewachsen ist. Dabei
stellte sich für mich lediglich die Schwierigkeit heraus, die “Regeln”
der beschriebenen Welt zu begreifen. Inwieweit Magie vorhanden ist und
genutzt werden kann und auch welche Arten von (Lebe-)Wesen ich erwarten
kann, waren mir nicht ganz klar. Ich konnte so nur schlecht spekulieren
wie die “Auflösung” sein würde, was ich ein bisschen schade fand.
Trotzdem sind historische sowie religiöse Hintergründe der erzählten
Geschichte gut ausgearbeitet. Für meinen Geschmack hätte es lediglich
etwas ausführlicher sein können.
Wie
bereits erwähnt, gibt es zahlreiche Handlungsstränge, die mein geringes
Konzentrationsvermögen ziemlich herausgefordert haben.
Aus
diesem Grund konnte der Roman mich nicht dauerhaft fesseln, denn nach
einer Lesepause musste ich mich immer wieder neu orientieren, was mir
nur deshalb einigermaßen problemlos gelang, weil die Protagonisten
wirklich gut zu unterscheiden sind, ihre Besonderheiten immer wieder
geschickt beiläufig erwähnt werden und man sich mmeist problemlos in sie
hineinversetzen kann. Namen kann ich mir nicht sonderlich gut merken,
trotzdem konnte ich jeden Charakter nach einer oder zwei Seiten “wieder
erkennen”.
Oft
verlor ich aber nach einem spannenden Kapitel vorübergehend die
Leselust, weil im nächsten an einen anderen Handlungsstrang angeknüpft
wurde, der mich in dem Moment “gar nicht interessierte” und ich lieber
gewusst hätte wie es an einer anderen Stelle weitergeht. Das Erzähltempo
bzw die Spannung variieren auch stark, oft wird man von einer extrem
spannenden und geheimnisvollen Szene in eine langsamere und vermeintlich
unbedeutendere geschubst, was teilweise auch ein wenig meine Lesefreude
gehemmt hat.
Trotzdem
sind alle einzelnen Handlungsstränge und damit der gesamte Roman sehr
gelungen und absolut lesenswert. Wer über die nötige Geduld  und
Konzentrationsfähigkeit verfügt, die gut 400 Seiten auf einmal zu
verschlingen, wird sicher auch weniger Schwierigkeiten mit den
“Anschlüssen” haben.  
Schade
fand ich allerdings, dass trotz großartigem Epilog, das Romanende kein
wirkliches Ende ist und stark auf eine Fortsetzung hindeutet. Da ich das
nicht erwartet hatte, war ich ein wenig enttäuscht.
Die
Protagonisten der verschiedenen Handlungsstränge wurden mehr oder
weniger in eine typische Cliffhanger-Position gebracht, was ich im
Nachhinein als geschickte und sorgfältige Planung deute. Bei einigen
Charakteren war mir während des Lesens aber noch nicht klar, dass ich
hier das (vorläufige?) Ende ihrer Geschichte erlebe, so dass ich mich
schon jetzt kaum noch daran erinnern kann, in welcher Situation sie sich
gerade befinden und ich das Buch noch einmal lesen müsste, bevor ich
mich über eine mögliche Fortsetzung hermache.
Noch
ein Wort zum Prolog: Brilliant!!! Selbst wenn der Rest des Romans
schnarchlangweilig gewesen wäre, hätte ich auf jeden Fall weitergelesen,
nur um hinter das Geheimnis der ersten vier Seiten zu kommen!

Fazit

Die
letztendliche Beurteilung von “Schattenkaiser” fiel mir sehr schwer.
Ein ausgezeichneter Roman, dessen Stil einfach nicht vollkommen meinen
Lesebedürfnissen entspricht. Viel zu interessant, um ihn ungelesen ins
Regal zurück zu stellen, aber nicht fesselnd genug, um mir schlaflose
Nächte zu bereiten. Ich habe mich für vier von fünf Sternen und eine
eindeutige Leseempfehlung an alle Fantasy-Begeisterten entschieden!

4 von 5 Sternen 

(Rezension verfasst von Monja Stock) 

 

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